Der von Xiaomi gemeldete achtstündige Einsatz in der Fabrik ist ein Ausdauertest, beweist aber nicht, dass humanoide Roboter Beschäftigte ersetzen oder die Produktionskosten senken können.
Was das Video zeigt
Ein am 3. November veröffentlichtes Video zeigt zwei humanoide Roboter, die im Xiaomi-Autowerk Seitenverkleidungen für Mittelkonsolen sortieren und Teile aus Behältern in Regale legen. Xiaomi zufolge arbeiteten sie autonom, korrigierten Abweichungen und stimmten sich mit dem Produktionsliniensystem ab. Das Video ist jedoch im Zeitraffer aufgenommen, und Xiaomi machte weder Angaben dazu, wie viele Teile die Roboter sortierten, noch zu ihrer anhaltenden Erfolgsquote oder dazu, wie oft Menschen eingreifen mussten. Die Dauer von acht Stunden zeigt, wie lange die Demonstration lief – nicht, wie viel nützliche Arbeit die Roboter verrichteten oder wie unabhängig sie waren.
Wie sich die Tests verändert haben
Im März berichtete Xiaomi, dass ein humanoider Roboter drei Stunden lang selbstschneidende Muttern montierte. Dabei erreichte er eine Erfolgsquote von 90,2 Prozent und erfüllte die Taktzeitvorgabe der Station von 76 Sekunden. Im Juli erklärte Xiaomi, die Erfolgsquote bei dieser Aufgabe sei auf 98 Prozent gestiegen, und meldete bei neueren Aufgaben eine betriebliche Erfolgsquote von 90 Prozent. Dazu gehörten das Sortieren flexibler Seitenverkleidungen und das Falten von Aufbewahrungsboxen. Es handelte sich um andere Tests und Stationen; sie belegen daher nicht die Genauigkeit während des achtstündigen Einsatzes. Sie zeigen jedoch, dass die Roboter zunehmend vielfältigere Handhabungsaufgaben übernehmen und länger arbeiten.
Warum einen humanoiden Roboter einsetzen?
Ein menschenähnlicher Roboter könnte zwischen vorhandenen Werkbänken, Behältern und Regalen arbeiten, ohne dass eine Fabrik umgebaut werden müsste. Das könnte bei unregelmäßig geformten oder flexiblen Teilen hilfreich sein. Die International Federation of Robotics beschreibt humanoide Roboter als einen Versuch, unterschiedliche Aufgaben in Umgebungen zu bewältigen, die für Menschen gestaltet wurden.
Anpassungsfähigkeit ist kein Beleg für wirtschaftlichen Nutzen. Analysten von McKinsey zufolge bleiben zuverlässige Leistung, Betriebszeit, Sicherheit und niedrigere Kosten Hürden für einen Einsatz im großen Maßstab. Eine Maschine, die für eine einzelne Station ausgelegt ist, könnte besser geeignet sein, wenn sie die Aufgabe schneller und günstiger erledigt.
Die Fabrik als Testgelände
Xiaomi kann Roboter in seinem eigenen Werk bei tatsächlichen Produktionsaufgaben testen und verfolgt dabei das erklärte Ziel, sie in großem Maßstab in Fabriken einzusetzen. Im März bezeichnete Xiaomis Präsident die Roboter als „Praktikanten“, nicht als etablierte Produktionskräfte, und sagte, mit der Produktionslinie Schritt zu halten sei eine zentrale Herausforderung. Gründer Lei Jun erklärte später, das Unternehmen erwarte einen großflächigen Einsatz in Fabriken innerhalb von fünf Jahren. Die Fabrik dient sowohl als Ort, um Automatisierung zu testen, als auch als Bewährungsprobe für weiterreichende Robotikambitionen.
Welche Belege noch fehlen
Für Fabrikleiter sind die Kosten und die Zuverlässigkeit beim korrekten Sortieren jedes einzelnen Teils entscheidend: Geschwindigkeit, Ausfallzeiten, Ladebedarf und menschliche Unterstützung. Automatisierung kann repetitive Aufgaben verändern oder überflüssig machen, doch diese Demonstration allein liefert keinen Beleg dafür, dass Xiaomi Arbeitsplätze abgebaut hat. Die International Federation of Robotics weist darauf hin, dass die Beschäftigungswirkungen der Automatisierung Aufgabenverlagerungen und Veränderungen bei Produktivität und Arbeit umfassen – und nicht einfach den direkten Ersatz eines Arbeitsplatzes durch einen anderen.
Xiaomis Ziel für die kommenden fünf Jahre deutet auf einen breiteren Einsatz in Fabriken bis etwa 2030 hin, ist aber ein Ziel und kein Einführungsplan für diese Roboter. Aussagekräftige nächste Belege wären wiederholte Tests mit veröffentlichten Angaben zu Ausbringungsmenge, Fehlerquoten, menschlichen Eingriffen und Betriebskosten – idealerweise bei mehr als einer Aufgabe. Bis dahin belegt der Einsatz Fortschritte bei Ausdauer und Integration in den Fabrikbetrieb, nicht aber, dass humanoide Roboter bereit sind, die Arbeitskosten in Fabriken zu verändern.